+49 8122 559170

Veröffentlicht von Manuela Markiewitz

Franziska Kerbers revolutionäre Idee zur Vermeidung von Kunststoff in elektronischen Geräten

Chic, leistungsfähig und hochauflösend: Die PAPE-Linie von Franziska Kerber
Chic, leistungsfähig und hochauflösend: Die PAPE-Linie von Franziska Kerber
 
Franziska Kerber, Industrial Designerin aus Vorarlberg, trägt mit ihrer Entwicklung PAPE entschlossen zu deutlich mehr Nachhaltigkeit bei elektronischen Geräten bei und ist dafür u. a. für den Green Product Award 2025 der FH Joanneum in Graz nominiert.
Franziska, du könntest mit deiner Entwicklung die Elektronikbranche revolutionieren und dazu beitragen, das massive Problem Mikroplastik deutlich zu reduzieren.

1. Was hat dich auf die Idee gebracht, elektronische Produkte wie Rauchmelder z. B. aus Papierfasern zu fertigen?

Die Idee entstand aus meiner Faszination für nachhaltige Materialien und der Frage, warum kleine elektronische Geräte fast immer in schwer recycelbaren Kunststoffgehäusen stecken. Als ich von der Entwicklung auflösbarer Leiterplatten erfuhr, wurde mir klar, dass sich der Recyclingprozess nur dann wirklich verbessern lässt, wenn auch das Gehäuse mitgedacht wird. Genau da setzte ich mit PAPE an: Ich wollte zeigen, dass elektronische Produkte anders gestaltet werden können – mit Materialien, die sich vollständig in den Kreislauf zurückführen lassen.

2. Wie hat dich das Industriedesign-Studium dahingehend beeinflusst und welchen Rat hast du für angehende Designerinnen und Designer?

Mein Studium war entscheidend für die Entwicklung von PAPE. Es hat mir nicht nur die Werkzeuge für gutes Produktdesign gegeben, sondern auch gezeigt, wie wichtig nachhaltiges Materialdenken ist. Besonders prägend war der experimentelle Ansatz – Materialien selbst zu testen, Prototypen zu bauen und Dinge in Frage zu stellen. Mein Rat an angehende Designerinnen und Designer: Hinterfragt den Status quo und sucht aktiv nach besseren Lösungen. Die spannendsten Innovationen entstehen oft dort, wo niemand sie erwartet.

3. Erzähl uns vom Herstellungsprozess: Was waren die härtesten Herausforderungen?

PAPE ist im Rahmen meiner Bachelorarbeit entstanden, in der ich mich intensiv mit nachhaltigem Produktdesign und Recyclingprozessen beschäftigt habe. Jetzt liegt es an mir, den Schritt vom Prototypen zu einem marktreifen Produkt zu gehen.
Eine der größten Herausforderungen war die Materialentwicklung. Papier klingt simpel, aber es musste so verarbeitet werden, dass es stabil, hitzebeständig und gleichzeitig biologisch abbaubar bleibt. Ich habe viele Nächte mit Materialtests verbracht, um Probleme wie Oberflächenverformungen oder ungleichmäßige Trocknung zu lösen.
Auch die nachhaltige Leiterplatte war eine wichtige Inspiration – sie ist nicht meine Erfindung, aber sie zeigt, dass sich elektronische Komponenten nachhaltiger gestalten lassen. Mir wurde jedoch schnell klar, dass diese Innovation allein nicht reicht, wenn das restliche Gerät weiterhin aus schwer recycelbaren Materialien besteht. Genau hier sehe ich meine Aufgabe als Industrial Designerin: Die Gestaltung elektronischer Produkte so weiterzudenken, dass sie mit der technischen Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit Schritt hält. PAPE ist mein Beitrag dazu.

4. Wie stellst du sicher, dass Funktionalität und Sicherheit elektronischer Geräte aus „Papier“ die Richtlinien erfüllen? Oder gibt es eigene Standards für Produkte wie PAPE?

Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, aber ich orientiere mich an bestehenden Standards wie der EU-Ökodesign-Richtlinie und der WEEE-Richtlinie. Papierfasern müssen mechanisch belastbar genug sein, um die Elektronik zuverlässig zu schützen, und gleichzeitig hitzebeständig bleiben. Besonders wichtig ist, dass das Material während der Nutzung stabil bleibt, sich aber am Ende des Produktlebens gezielt auflösen lässt.

5. Welche zukünftigen Anwendungen oder Erweiterungen planst du für deine PAPE-Produktlinie und wie siehst du deren Potenzial auf dem Markt?

Ich sehe großes Potenzial bei Smart Home-Produkten wie Rauchmeldern, Routern oder Sensoren. Der Markt für nachhaltige Elektronik wächst, und auch regulatorische Vorgaben werden immer strenger. Langfristig könnte PAPE in weiteren Produktkategorien Anwendung finden, aber mein Fokus liegt derzeit darauf, das Konzept für die ersten Produkte marktreif zu machen.

6. Frauen und Technik! Auch du beweist wunderbar souverän, dass Frauen äußerst kreativ und technisch sehr begabt sein können. Hast du dich schon als Kind für Technik interessiert oder kam das erst später?

Mein Interesse für Technik war schon früh da – mein Vater, der als Physiker arbeitete, hat mir immer wieder spannende Erfindungen gezeigt und mich für neue Ideen begeistert. Der bewusste Fokus auf nachhaltige Materialien kam aber erst mit meinem Produktdesign-Studium. Dort wurde mir klar, wie viel Potenzial in der Materialforschung steckt und wie entscheidend sie für nachhaltige Gestaltung ist.

7. Stichwort Männerdomäne: Woran liegt es deiner Meinung nach, dass (noch) nicht mehr Frauen in dieser Branche Fuß fassen?

Oft liegt es an alten Denkmustern und mangelnden Vorbildern. Technik und Ingenieurberufe wurden lange als „Männerdomäne“ betrachtet, was viele Frauen abschreckt – dabei ist Design gerade ein Bereich, in dem Kreativität und Problemlösungsdenken gefragt sind, völlig unabhängig vom Geschlecht. Ich glaube, je mehr Frauen sichtbar in technischen Berufen arbeiten, desto mehr wird sich das Bild verändern. Es braucht mehr Förderung, aber auch mehr Selbstverständlichkeit, dass Frauen genauso in diese Branchen gehören.

Vielen Dank, liebe Franziska, für das Interview, für deinen Einsatz für unsere Umwelt und tatsächlich für dein großartiges Vorbild für eine neue Generation von Frauen!
Wir werden mit größtem Interesse deine Forschung weiter verfolgen und wünschen dir weiterhin viel Erfolg UND: Wir drücken ganz fest die Daumen für die Wahl „Green Product Award 2025“!
 
 

Klarheit, Kooperation und Können – das sind unsere Zutaten für Kompetenz: Klare und ehrliche Kommunikation, kooperative und partnerschaftliche Zusammenarbeit sowie ein kreatives und umsetzungsstarkes Team, das Dinge mit der Kundenbrille betrachtet. Genau das wissen unsere langjährigen Kunden zu schätzen.

Agentur Lorenzoni GmbH
Landshuter Straße 29
85435 Erding bei München
Deutschland
 
Tel.: +49 8122 55917-0
Fax: +49 8122 55917-29
 
eMail: pr@lorenzoni.de

Die vergessene Batterie der Mobilitätswende

Die Transformation des Straßengüterverkehrs hat begonnen. Batterieelektrische Antriebe gewinnen an Bedeutung, erste Wasserstoffkonzepte befinden sich im Praxiseinsatz und immer strengere Emissionsvorgaben beschleunigen den technologischen Wandel. Gleichzeitig wird der europäische Güterverkehr auch in den kommenden Jahren von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor geprägt sein. Für Flottenbetreiber bedeutet das: Unterschiedliche Antriebskonzepte werden über lange Zeit parallel betrieben werden – mit entsprechend unterschiedlichen Anforderungen an die Energieversorgung.

Weiterlesen …