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Eine Vorweihnachtsgeschichte
Das kleine Dorf lag still und in trügerischem Frieden da, aus den Schornsteinen zogen dünne Rauchfäden in den schwarzen, sternenübersäten Himmel und in den erleuchteten Fenstern waren unsere neugierigen Gesichter zu sehen, die wir an die Scheiben drückten um heimlich nach den Krampussen Ausschau zu halten. Die Straßen waren leer, keine Menschenseele war jetzt noch draußen. Plötzlich zerriss der laute, scharfe Knall einer Peitsche die Stille. Wir verschwanden blitzartig von den Fenstern und so manches Licht erlosch. Da ertönte ein zweiter Knall, dann ein dritter und dann brach die Hölle los! Ein Krampus rannte über die Hauptstraße. Er trug ein langes Fell und hatte gewundene spitze Hörner auf seinem kahlen Schädel. Das Gesicht, zuckend beleuchtet vom Schein seiner Fackel, war gruselig verzerrt und aus seinem schiefen Maul drangen dumpfe Schreie. Mit seiner anderen Hand schwang er eine lange Peitsche mit der er unablässig knallte. Ihm auf den Fersen war eine ganze Horde Krampusse – einer wilder als der andere. Sie hüpften und brüllten und rasselten mit ihren Ketten, einige von ihnen hatten Kuhschellen um die Hüften, die bei jeder Bewegung durchdringend schepperten. Nach einem etwa zehnminütigen Höllenlärm ebbte das Spektakel allmählich ab und es kehrte erneut Stille ein: Die Krampusse hatten sich auf die Lauer gelegt!
Jetzt wurde es spannend: Wir älteren Kinder, vor allem die Jungs, wagten uns aus dem Schutz unserer Elternhäuser und schlichen auf die leeren Straßen. Wir lugten vorsichtig um Häuserecken, linsten mit gespitzten Ohren hinter Bäumen und Büschen hervor oder verschanzten uns hinter den langen Schneewällen, die die Straße säumten. KNACKS! Das Geräusch eines brechenden Astes ließ uns regelrecht die Haare zu Berge stehen! Langsam drehten wir uns um – und blickten in die grässliche Fratze eines besonders hässlichen Krampusses!! Für zwei Sekunden stand die Zeit still, dann stoben wir schreiend und kreischend in alle Richtungen davon, so schnell wir konnten!! Die Krampusse rannten hinter uns her und versuchten uns zu fangen! Hinter ihren Masken sahen sie jedoch nicht gut und stießen deshalb im Gewusel öfter zusammen. Dann rollten sie paarweise johlend und scheppernd durch den Schnee und wir Kinder konnten vor Lachen kaum noch davonrennen! Die ganz Mutigen zogen die Krampen am Bart oder am Schwanz, brachten sich dann in Sicherheit und verglichen stolz ihre Trophäen: Wer hatte die meisten zottigen Haare erbeutet? Das war ein jedes Jahr ein tolles Abenteuer – eine Mischung aus Spaß und auch ein bisschen Angst, doch wie durch ein Wunder erwischte niemals ein Krampus eines der Kinder!
Wenn endlich das letzte Kind erschöpft aber glücklich zu Hause im Bett lag und genug von seinen Heldentaten erzählt hatte, dann feierten die Erwachsenen im Kirchenwirt mit den Krampussen und erzählten sich gegenseitig von ihren Abenteuern als Kinder in der Krampusnacht.